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disclaimerfrei.de - die erste Erweiterung

"Die populärsten Irrtümer" über Disclaimer ist Thema der Erweiterung bei disclaimerfrei.de. Aber auch damit ist erst ein Anfang gemacht, denn ich habe noch etliche Punkte im Kopf, die einer Ausarbeitung harren.


Ein Disclaimer hat keinen Adressaten

Nicht jede einzelne Seite einer Webpräsenz wird jeden einzelnen Besucher gleichermaßen interessieren. Aber jede Einzelseite sollte wenigstens auf irgendein Publikum treffen. Selbst in das knochentrockene Impressum werden irgendwann irgendwelche Besucher schauen, weil sie sich zum Beispiel ein Bild über unsere Verantwortungsstrukturen machen wollen. Wenn das Impressum in Ordnung ist, stehen dort die entsprechenden Informationen drin.


Ein Disclaimer jedoch hat keinen Adressaten. Da wird nichts geregelt, was auch ohne diesen Text nicht längst geregelt wäre. Mit dem Disclaimer wird keine neue Rechtssituation für den Seitenbetreiber geschaffen, schon gar nicht wird eine Schutzfunktion gegen juristische Angriffe installiert. Da steht nichts drin, was für irgendjemanden erhellend oder nützlich wäre. Nichts mit Aha-Effekt. Es sind leere Worte. Und die sollten vermieden oder entfernt werden.


Sinnentleerte Bestandteile passen nicht in eine Darstellung, die das Reich Gottes repräsentieren soll. Jesus warnt: Aber das sage ich euch: Am Tag des Gerichts werden die Menschen sich verantworten müssen für jedes unnütze Wort, das sie gesprochen haben. - Matthäus 12,36

Mindert den Schaden. Bitte!

Die fragwürde Verwendungspraxis von Disclaimern erfährt gelegentlich eine Steigerung durch einen Texteinschub, der mit Schadensminderungspflicht überschrieben ist.


Irgendwelche tapferen juristischen Laien haben es auf sich genommen, den Juristen mal so richtig beizubringen, was Recht ist. Dazu haben sie  diesen Text erfunden (oder von sonstwoher abkopiert). Der Text enthält in wenigen Zeilen soviel maßlosen Unsinn, dass er wegen seiner Dichte an Dummheit, Großkotz und Ahnungslosigkeit auf so engem Raum ein Fall fürs Guinnesbuch der Rekorde sein dürfte.


Hier darauf im Einzelnen einzugehen macht mir im Moment keinen Spaß. Ich kann zusammenfassend nur sagen: Der Text ist juristisch völlig falsch, intellektuell im Bereich der Debilität und geistlich ein Ausdruck der Missachtung der Worte Jesu. Er ist ein schreiend peinliches Dokument von Hochmut. Aber er findet sich dennoch auf Webseiten mancher christlicher Gemeinden.


Schadensminderungspflicht-Texte und solche mit ähnlicher Sprachmelodie setzen ja einen Feind voraus. Dem wird erstmal so richtig Angst eingejagt. Da wird mal kräftig mit der Faust auf den Tisch gehauen, damit der weiß, wo der Hammer hängt. Er soll per Drohung dazu gebracht werden, mein mögliches Fehlverhalten gefälligst sanft ins Gespräch zu bringen. Falls er dem nicht zu folgen gedenkt, soll er mich aber kennenlernen!


Feindesliebe hört sich anders an.


Fast jeder hat einen Disclaimer - warum eigentlich?


Eines meiner rätselhaftesten Rätsel: Wie kommt es zu dieser massenhaften unkritischen Verwendung von Disclaimern? Dass sie nichts nützen, ist längst geklärt. Schon 1998 erging dazu die erste Gerichtsentscheidung. Die Nutzer setzen sie dennoch auf ihre Seiten, können aber selbst nicht vernünftig begründen, warum. Trotzdem hält dieser Textmüll eine Spitzenposition an Content-Bestandteilen im Netz.


Mit diesem Phänomen wird sich mein neuestes Internetkind befassen: www.disclaimerfrei.de. Sozusagen die säkulare Variante von klugeschlangen.de.